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Vorstellung

Hallo,

unser Sohn (7) ist auf dem linken Ohr taub, er hört auf dem rechten Ohr gut. Wenn man ihn nicht kennt und man mit ihm spricht ist sein Hördefizit nicht zu erkennen. Er spricht auch ganz normal und ist ein ganz lebhaftes Kind. Er besucht auch die Grundschule und ist ein guter Schüler. Wir sind in regelmäßiger ärtzlicher Behandlung. Bei der vorletzten Untersuchung wurden ihm verschiedene Möglichkeiten des Hörens vorgestellt, unter anderem durch die Knochenübertragung. Seit dieser Untersuchung spricht er davon dass er auch richtig hören möchte!

Bei dem letzten Artzbesuch haben wir die verschiedenen Möglichkeiten angesprochen. Wir suchen nun Gründe für und gegen ein CI Implantat. Warum entscheidet man sich für ein Implantat, wie ist die Hörqualität? Was sind die Risiken? Macht es Sinn wenn man mit einem Ohr gut hört? Wir sind auf dem Gebiet der Akustik noch völlig unerfahren und arbeiten uns so langsam in die Materie ein!

Rupert

Kommentare

  • HolgerBHolgerB Junior Member

    Hallo Rupert,

    ja, das ist wirklich ein schwieriges Thema.

    Anders als bei beidseitig hörgeschädigten Kindern ist bei einseitig hörgeschädigten Kindern die Einschränkung von außen gesehen oft nicht wirklich spürbar - das heißt allerdings nicht, dass es keine Einschränkungen gibt!

    Kinder sind im allgemeinen sehr gut in der Lage Hördefizite zu kompensieren. Das kostet sie allerdings viel Konzentration und Energie.

    Nicht kompensiert werden kann das Richtungshören. Dieses wiederum spielt in vielen Alltagssituationen eine große Rolle (Straßenverkehr!) und erleichtert wesentlich das Hören in schwierigen akustischen Situationen. Ortung und Fokussierung geht mit zwei "Ohren" besser.

    Mein Sohn hat zwei Cochlea-Implantate, eines fällt gelegentlich mal vorübergehend aus (z. B. Akku leer). Der Unterschied ist für ihn (und uns) sofort spürbar. Schlechteres Sprachverständnis, vor allem in lauten Situationen, schnellere Erschöpfung durch eine deutlich höhere Konzentrationleistung, fehlende akustische Orientierung, akustische Mißverständnisse. Mit beiden CIs hört er ausgezeichnet (wenn er denn will, so wie alle Kinder eben...), singt sogar im Kirchenchor.

    Das ist zwar nicht ganz mit ihrem Kind vergleichbar, eine gewisse Richtung ist aber doch erkennbar: Hören mit nur einem Ohr ist anstrengender und es fehlen wichtige Qualitäten. Kann man ganz einfach selbst ausprobieren indem man längere Zeit ein Ohr ganz dicht mit einem Ohrstöpsel verschließt. Der Unterschied ist auf Dauer beträchtlich!

    Wenn ein Ohr kein oder nur sehr geringes Resthörvermögen besitzt wird heutzutage ärztlicherseits häufig ein Cochlea-Implantat empfohlen - sofern dieses im Einzelfall bei einer Innenohrschwerhörigkeit sinnvoll und möglich ist

    Viele Eltern scheuen eine Operation umd möchten ihr Kind diesen Risiken nicht aussetzen, vor allem da ein Hördefizit vordergründig ja nicht sichtbar ist.

    Ein CI kann in vielen Fällen eine Hörfähigkeit mit bis zu ausgezeichneter Qualität herstellen. Richtungshören sollte (wieder-) hergestellt sein. Der Gesamterfolg hängt aber auch vom Einzelfall und den individuellen Vorraussetzungen ab.

    Ich denke jedes Elternpaar sollte eine strenge Abwägung der Nutzen gegen die Risiken machen.

    Häufig lassen sich (ggf. irrationale) Ängste durch Gespräche oder Informationen relativieren. Gut ist es vielleicht auch sich an eine örtliche Selbsthilfegruppe zu wenden und zu versuchen mit Betroffenen persönlich zu sprechen (Adressen gibt es über die Zeitschrift "Schnecke" der DCIG, bitte googeln). Gute ärztliche Beratung durch ein erfahrenes CI-Zentrum ist wichtig. Der oben genannte Selbstversuch kann extrem hilfreich sein!

    Ich hoffe das konnte etwas helfen, gerne beantworte ich konkretere Fragen!

    Holger Brügmann

  • anjakorndistelanjakorndistel Junior Member
    Hallo Rupert,es ist wirklich ein schwieriges Thema und lässt sich auf keinen Fall eindeutig klären, sondern nur über Abwägen individuell entscheiden.Die CI-Versorgung bei Einseitiger Gehörlosigkeit ist noch recht jung, daher gibt es auch noch nicht so eindeutige Richtungen wie bei beidseitiger Gehörlosigkeit.Die Äußerungen von Holger kann ich alle nur bestätigen. Vielleicht nur noch ein paar Ergänzungen.Je jünger der Mensch, desto größer ist der erzielbare Nutzen der CI-Versorgung.Zu berücksichtigen ist in jedem Fall, dass - anders als bei beidseitiger CI-Versorgung - zwei völlig unterschiedliche Signale im Hirn aufeinander treffen. Damit muss das Gehirn umgehen lernen, je jünger, desto flexibler kann das Gehirn reagieren.Es ist vielleicht ein wenig damit vergleichbar, wie es mit den sog. bimodalen Versorgungen läuft. Ein Kind hat ein unterschliedlich schlechtes Hörvermögen. Eine Seite wird mit CI versorgt, die andere bleibt Hörgeräte versorgt. Häufig tritt dann ein, dass die Kinder das Hörgerät mit der Zeit nicht mehr tragen möchte, weil der Input des CIs deutlich differenzierter ist.Setzt man nun ein CI bei einsitiger Gehörlosigkeit ein, ist das CI das schlechtere Signal, es könnte also im schlechtesten Fall zu einer Ablehnung des CIs kommen.Wenn Ihr Sohn allerdings besser hören möchte ist das eine sehr gute Voraussetzung, um einen guten Erfolg für ihn zu erzielen und er ist jung genug.Wichtig ist auf alle Fälle eine qualitativ sehr hochwertige CI-Rehabilitation. Auch hier sind die Erfahrungen noch nicht so vielfältig, wie bei den "klassischen" CI-Patienten. Daher müssen Sie sich auch auf diesem Gebiet intensiv informieren.Ich hoffe, ich habe die Unsicherheiten nicht noch vergrößert, aber es gilt im Vorfeld vieles abzuwägen, in Erfahrung zu bringen und zu besprechen.Bei weiteren fragen, können Sie sich gerne melden.Anja Korn-Distel
  • Christel W.Christel W. Junior Member
    Hallo Rupert,
    das ist wirklich ein Thema, das ich nicht entscheiden möchte. Dennoch denke ich da ähnlich wie Holger und Anja.
    Ich finde es auch beachtlich, dass ein 7 jähriger Sohn schon selbst sagt, dass er besser hören möchte, zumal er es ja gar nicht anders kennt als mit einem guten Ohr zu hören. Das spricht doch eigentlich dafür, dass er doch mehr Defizite hat, als wir Erwachsene wahrnehmen und recht viel zu kompensieren hat. Ich würde auch immer zu einer möglichst frühen Versorgung mit einem CI raten, wobei ich mich mit so einem Fall, bei einem gesunden und einem tauben Ohr, nicht auskenne. Ich selbst bin beidseitig implantiert, aber erst im Erwachsenenalter.
    Ich wünsche gutes Gelingen bei der Entscheidung!
    Krissi
  • ValentinValentin Junior Member
    Hallo zusammen,

    ich möchte mich recht herzlich für eure Antworten bedanken. Eine Entscheidung haben wir noch nicht getroffen. Wir werden uns noch im Transplantationszentrum in Freiburg vorstellen.

    Rupert
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